Montag, 23.09.2019

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Jahrestage gibt es viele: Den Tag der italienischen Küche, den des Sparens und den Tag der Hauswirtschaft, den Tag der Blockflöte, den des Schlagers und den der Jogginghose. Auch der Baum hat einen eigenen Tag, in Deutschland ist das seit 1952 der 25. April.
Zu diesem Anlass haben wir mal ein Kuriositäten-ABC zusammengetragen, das nicht nur Baumpfleger interessieren dürfte…

A

Alphabet: Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nutzten die Kelten eine ganz besondere Schrift, „Ogam“ genannt“. Die 20 Buchstaben des Ogam-Alphabets wurden durch unterschiedlich angeordnete Linien dargestellt. Soweit, so gut. Doch das Besondere daran war, dass jeder Buchstabe auch einen Baum und dessen “magische Kräfte” symbolisierte, der mit dem zugehörigen Laut begann. So stand D für die Eiche (=Duir), I für die Eibe (=Idho) und N für die Esche (=Nion). Daher nennt man das Ogam auch das “Baum-Alphabet” der Kelten.

B

Bonsai: Ja, Bonsais sind echte Bäume, nur eben klein gezüchtet. Ihnen rückt man nicht mit Motorsägen, sondern mit Pinzetten und Scheren zu Leibe. Und auch die Zwergversionen von Eiche, Ahorn und Tanne können mehrere hundert Jahre alt werden – bei guter Pflege. Trotzdem scheiden sich hier die Geister: Muss man eine Pflanze so massiv in ihrem natürlichen Wuchs beeinträchtgen? Wer sich dennoch einen Bonsai anschaffen möchte, sollte wissen, dass ordentlich gepflegte Exemplare teuer sind und dass die Billigversionen häufig sehr rabiat zurechtgestutzt wurden – weshalb sie dementsprechend schnell das Zeitliche segnen.

C

Carl von Linné: Ein schwedischer Naturforscher (1707-1778), der mit der „binären Nomenklatur“ die Grundlagen der modernen botanischen und zoologischen Einordnungen schuf. Er war übrigens auch einer der ersten, der sich mit der „Sexualität von Pflanzen“ auseinandersetzte.

D

Bildrechte bei: Denis Apel (CC)

Dicke Marie: So lautet der Name des ältesten Baumes in Berlin. Die fast 900-jährige Eiche soll nach der stabil gebauten Köchin der Forscher-Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt benannt worden sein.

E

Bildrechte bei: Andrew Poison (CC)

Eierbaum: Der Ostereierbaum im thüringischen Saalfeld wurde seit 1965 jedes Jahr mit handbemalten Ostereiern behängt. 2015 schmückte Baumbesitzer Volker Kraft (mittlerweile 79 Jahre alt) seinen Apfelbaum zum letzten Mal: mit 10.000 bunte Eiern.

F


Eng verwandt mit dem Banyan Tree: die Großblättrige Feige.

Ficus benghalensis: Der als Banyan-Tree oder auch Bengalische Feige bekannte Baum beeindruckt durch die Ausbildung von herabhängenden Luftwurzeln. Mit ihnen kann der Baum Wasser und Nährstoffe aus der Luft aufnehmen. Eine spezielle schwammartige Zellschicht, die die Wurzeln umgibt, saugt sich bei Regen mir Wasser voll. Wenn die Wurzeln bis zum Boden gewachsen sind, übenehmen sie zusätzlich eine stammähnliche Stützfunktion.
Der Banyan-Tree ist nicht die einizge Art, die sich auf diese Weise versorgt und stützt: Auch andere Feigen- und bestimmte Mangrovenarten, sowie Orchideen bilden Luftwurzeln aus.

G

Gift: Die Akazie hat einen besonders ausgeklügelten Selbstverteidigungs-
mechanismus: Wird sie von einem Tier angeknabbert, produziert das beschädigte Gewebe Ethylen. Die intakten Zellen reagieren auf das Gas, indem sie ihrerseits die Ethylen-Produktion ankurbeln und gleichzeitig ein Gift herstellen, welches den Fressfeinden den Genuss verleidet. Der Clou: Auch andere Akazien werden durch das Gas gewarnt und wappnen sich gegen die Bedrohung.

H

Hochwasserschutz: Mit seinen Wurzeln hält ein 20-jähriger Laubbaum nicht nur etwa 50 Tonnen Erde zusammen, er verhindert auch den Abfluss von etwa 70.000 Litern Wasser pro Jahr, hat der Bayerische Rundfunk recherchiert.

I

Indonesien: Hier wächst das teuerste Holz der Welt, auch Paradiesholz genannt. Es stammt von Adlerholzbäumen (Aquilaria agallocha) und ist wegen seines besonderen Duftes heiß begehrt. Dieser entsteht dadurch, dass der Baum Verletzungen mit Harz verschließt, das von Pilzen infiziert wird.
Seit dem Altertum wird das duftende Holz in Indien, Ägypten, Israel und Arabien geschätzt, ihm wird eine pheromonartige Wirkung nachgesagt. Angeblich bringt ein Kilo hochwertiges Paradiesholz bis zu 50.000 Euro ein.

J

Julius Sterling Morton: Der Journalist beantragte 1872 bei der Regierung von Nebraska die „Arbor-Day-Resolution“, die innerhalb von 20 Jahren in allen amerikanischen Bundesstaaten angenommen wurde. Seither gedenkt man im April der Bedeutung des Waldes für die Menschen und pflanzt neue Bäume. Die Vereinten Nationen beschlossen den „Tag des Baumes“ im Jahr 1951, in Deutschland wurde er erstmals am 25. April 1952 begangen. Bundespräsident Theodor Heuss pflanze damals einen Ahorn im Bonner Hofgarten.

K


Huon Pine Bildrechte bei: Securiger (GFDL)

Klonen: Manche Pflanzen benutzen einen Trick, um sich unsterblich zu machen. Sie klonen sich quasi selbst. Aus ihrem Wurzelgeflecht sprießen immer wieder neue Triebe mit dem gleichen Erbgut. Ein Beispiel dafür ist eine „Huon Pine” (Lagarostrobos franklinii) in Tasmanien mit einem 10.500 Jahre alten Wurzelwerk. Ihr ältester Sprössling an der Oberfläche ist allerdings „nur“ 2000 Jahre alt. Bereits seit 13.000 Jahren kopiert ein kalifornischer Busch mit dem Namen Jurupa-Eiche sein Erbgut.

L

Lebensraum: Von den etwa 1,8 Millionen beschriebenen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde leben etwa zwei Drittel im Wald. Wälder sind damit die artenreichsten Lebensräume überhaupt. Gut 4.300 Pflanzen und Pilzarten und mehr als 6.700 Tierarten kommen in mitteleuropäischen Buchenwäldern vor. Allerdings gehen weltweit jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren – so viel wie 36 Fußballfelder pro Minute, schreibt der WWF. Illegaler Holzeinschlag, Brandrodung oder Umwandlung in Agrarland sind die Hauptursachen.

M

Mythologie: Seit jeher spukt der Baum, oder vielmehr die Geister, die angeblich in ihm wohnen sollen, durch Sagen und Mythen. In der nordischen Mythologie tauchten Waldgeister in vielerlei Formen auf, oft unheilstiftend mit Krankheiten im Gepäck. Die wohl berühmtesten Baumgeister schuf jedoch die Phantasie John Ronald Reuel Tolkiens: die Ents im Herr der Ringe.

N

Bildrechte bei: Rod Waddington (CC)

Nebel: Der Drachenblutbaum hat eine besondere Strategie entwickelt, um im trockenen Klima der jemenitischen Insel Sokotra seinen Durst zu stillen: Die Blätter seiner pilzförmigen Krone sind nach oben gerichtet, wo sie aus den häufig auftretenden Nebeln Feuchtigkeit schöpfen können.

O

Oxfam: Die Internationale Entwicklungshilfeorganisation Oxfam bietet auf ihrer Internetseite Oxfam Unverpackt die Möglichkeit sach- und zweckgebundener Spenden. Auch Bäume können gespendet werden – sie werden zum Beispiel für ein Umweltschutzprojekt im Kongo benötigt.

P

Pilze: Einige Baumpilze sind durchaus genießbar: Zum Beispiel der Schwefelporling, der, in dünne Scheiben geschnitten und erst gekocht dann gebraten, geschmacklich und von der Konsistenz an zartes Hühnchenfleisch erinnert. Ernten sollte man allerdings nur junge Exemplare, die alten schmecken doch eher nach Schuhsohle.

Q

Quercus: So lautet der botanische Name der Eiche, die gern mal in Bauernweisheiten auftaucht: Dem populären Ratschlag bei Gewitter „Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen“ sollte man allerdings nicht vertrauen. Experten zufolge unterscheidet sich nur die Form des Einschlags, was dem vom Blitz Getroffenen herzlich egal sein kann. Der Blitz sucht sich immer den höchsten Punkt aus und unterscheidet dabei nicht zwischen Eiche, Buche oder gar Palme.
Die Wettervorhersage „Grünt die Esche vor der Eiche, gibt’s im Sommer große Bleiche; grünt die Eiche vor der Esche, gibt’s im Sommer große Wäsche“ erscheint zumindest etwas glaubwürdiger. Ihr könntet ja mal eine statistische Erhebung starten und uns dann in zehn Jahren die Ergebnisse mitteilen…

R

Rieseneukalyptus: Aus dieser Gattung stammt der höchste Baum der Welt. Im 19. Jahrhundert bescheinigte man ihm eine Höhe von 132,58 Metern. Australische Eukalyptusbäume und nordamerikanische Mammutbäume können über 100 Meter in die Höhe schießen. Den aktuellen Wuchsrekord hält der Küstenmammutbaum „Hyperion” mit 115,5 Metern.

S

Sauerstoff: Bis zu 1200 Liter davon produziert ein Baum pro Stunde. Das Magazin Planet Wissen hat es genau ausgerechnet: „Während seiner Wachstumsperiode im Sommer produziert er die Atemluft für zehn Menschen“.

T


Der "Baum von Tule", auch "El Gigante" genannt Bildrechte bei: Gengiskanhg (GFDL)

Taxodium macronatum: So lautet der wissenschaftliche Name der Mexikanischen Sumpfzypresse. Eine solche ist Spitzenreiter in der Disziplin „dickster Stamm“. 58 Meter misst die ausladende Hüfte von „El Gigante” in Mexico.

U


Blattabdruck des Eospermatopteris Bildrechte bei: Eduard Solà (CC)

Urbaum: Der Archaeopteris („uralter Farn“) galt lange als der erste Baum unserer Erde. Mit einem Stammdurchmesser von bis zu einem Meter und einer Höhe von maximal 30 Metern beherrschte er bis zu seinem Aussterben vor 355 Millionen Jahren das Aussehen der frühesten Wälder. 2007 wurde eine noch ältere Art als baumartig eingestuft: die Eospermatopteris.

V

Bildrechte bei: Jim Bahn (CC)

Voluminös: Der mächtigste Baum der Erde, der „General Shermann Tree“ aus der Gattung “Giant Sequoias” lebt seit 2500 Jahren in Kalifornien. Mit seinen 31 Metern Umfang und 84 Metern Höhe bringt er es zu einem Volumen von etwa 1500 Kubikmetern. Ein wahrer General.

W

Waldinventur: Es lebe die deutsche Gründlichkeit. Dank der Bundeswaldinventur, die Bund und Länder alle zehn Jahre durchführen, wissen wir nämlich, dass etwa 90 Milliarden Bäume in Deutschland wachsen – 20 Milliarden davon sind um die 100 Jahre alt.

X

Xylem: Das Xylem transportiert Wasser und lösliche, mineralische Nährstoffe von den Wurzeln durch den Baum (und andere Pflanzen). Bis heute ist nicht zweifelsfrei erforscht, wie das System funktioniert, am gängigsten ist die sogenannte Kohäsionstheorie. Danach spielt die Spannung in den Mesophyllzellen, der Zug zwischen den einzelnen Wassermolekülen durch Wasserstoffbrückenbindungen und die Klebrigkeit zwischen Wassermolekülen und den hydrophilen Zellwänden von Pflanzen eine Rolle.

Y

Yakushima: Auf dieser japanischen Insel steht eine Sicheltanne, deren Alter auf 7000 Jahre geschätzt wird. Einen möglicherweise noch älteren Baum haben Forscher 2008 im Landesinneren entdeckt – die Fichte könnte etwa 9550 Jahre alt sein. Dagegen erscheinen die Grannenkiefern (Pinus aristata) in Kalifornien mit ihren 4000 bis 5000 Lebensjahren nun geradezu jugendlich.

Dass Bäume so alt werden können, liegt daran, dass sie „keinen Lebenszyklus mit programmiertem Ende“ haben, wie die Zeitschrift Geo schreibt. Denn auf den Spitzen ihrer Triebe sitzen Zellen, die noch keine festgelegte Funktion haben, ähnlich wie die embryonalen Stammzellen bei Menschen.

So bilden die Zellen zum Beispiel Blätter, die zwar mit dem Wechsel der Jahreszeiten sterben, aber immer wieder neu entstehen. Dass Bäume trotzdem irgendwann sterben, könnte unter anderem an ihrem steten Wachstum liegen, das die Versorgung immer anstrengender macht und den Organismus auf Dauer schwächt.

Z

Zustandsbericht: Jedes Jahr gibt die „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ einen Bericht über den Zustand der deutschen Wälder heraus. Daraus geht hervor, ob und wie sich der Zustand der Waldbestände in den einzelnen Bundesländern verschlechtert oder verbessert hat. In NRW, so der Bericht von 2014, hat sich „der Baumkronenzustand insgesamt deutlich verschlechtert“. Besonders bei der Buche sei eine deutliche Kronenverlichtung festzustellen. Auch der Fichte gehe es schlechter.