Qualität aus Wuppertal

Was haben eigentlich Schafe und Buchsbäume gemeinsam? Und was verbindet Designer-Sonnenbrillen mit Stangensägen aus Wuppertal?
Die Antworten gibt’s hier.

Montag, 23.09.2019

Climbtools |

Ein fettes „Made in Germany“ prangt auf dem Metall der Astschere. Die Aufschrift kann gar nicht groß genug sein, denn sie ist ein Qualitätsversprechen, das besonders außerhalb Deutschlands heiß begehrt ist. 75 Prozent ihrer Waren exportiert die Werkzeugfabrik BERGER aus Wuppertal in die ganze Welt: nach Bulgarien, Australien, in die Slowakei, den arabischen Raum, die USA, die Türkei, nach Russland, Nordafrika und in die Ukraine.

Von den restlichen 25 Prozent landet ein kleiner Teil auch bei climbtools: Seit Juni 2014 beziehen wir unter anderem eine Teleskopstangensäge von den Werkzeugmachern.

Deren Produkte sind nämlich nur im Fachhandel zu bekommen – im Baumarkt werdet Ihr keine BERGER-Gartenscheren oder BERGER-Stangensägen finden.

Familienbetrieb mit Tradition

Julian Berger ist ein wandelndes Synonym für Unternehmertum: offenes Lächeln, lebhafte Augen, ausladende Gestik. Er spricht so viele Sätze pro Minute wie andere Menschen Silben, und aus allem, was er sagt, sprüht Begeisterung für seine Arbeit, für seinen Betrieb.

Er hat das Familienunternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Ina im Jahr 2005 übernommen. Bald kann die 1918 gegründete Firma unter Julian und Ina Berger ihr 100-jähriges Jubiläum feiern.
Der erste Blick in die Werkstätten offenbart tatsächlich auch Historisches, wie einen alten Schmiedehammer.

Roboter und Solarenergie

Nun könnte es sich so ein Traditionsbetrieb eigentlich auf seiner Geschichte und dem guten Namen gemütlich machen. Doch BERGER wäre nicht BERGER, wenn man nicht längst auch die Zukunft ausstanzen und in Form bringen ließe: Roboter helfen beim Werkzeugmachen und einen Teil der Energie liefert eine leistungsstarke Solaranlage auf dem Dach. Werkzeuge für die „grüne Branche“ – hergestellt mit grüner Energie. So geht nicht nur Zukunft, so geht Authentizität.

Julian Berger führt uns durch Werkstätten und Lager, erklärt verständlich und bildhaft. Kostprobe gefällig? „Im Prinzip funktioniert das wie beim Plätzchenausstechen“, erläutert er die Funktionsweise des Stanzautomaten, der Griffteile für Scheren ausspuckt.

Auch einen Roboter zeigt er uns, der gerade von einem Programmierer „angelernt“ wird. Denn die Firma kauft die Roboter „quasi nackt“, wie Berger es nennt, und bringt ihnen bei, was androide Werkzeugmachergehilfen so können müssen. Mit einem lauten „Klong“ lässt der Roboter ein Werkstück fallen. Noch mangelt es an der Feinjustierung.

Viele Tonnen Flachstahl verarbeitet die Firma BERGER jedes Jahr zu Handscheren, Heckenscheren, Astscheren, Teleskopstangen und Sägen in allen Variationen.

Es folgt ein kleiner Lehrgang in Sachen Stahl: Denn das Rohmaterial kauft BERGER nicht im erzreichen Russland, sondern hauptsächlich in Deutschland. Warum? Weil es „reiner und wertiger“ sei.

Der „frische“ russische Stahl sei naturgemäß voller Verunreinigungen, erklärt Julian Berger, der europäische hingegen enthalte einen hohen Schrottanteil, der schonmal geschmolzen war.
Praktischer Nebeneffekt: weniger Verunreinigungen. „Als würde man Staub wieder und wieder sieben – so dass er immer feiner wird.“

Singende Schafscheren

Neben Kisten voller „normaler“ Scherenteile, mehrere Tausend können pro Tag angefertigt werden, fällt uns bald ein nostalgisch anmutendes Modell auf: eine Schafschere. Verwendet wird sie für die Schafherden nordafrikanischer oder südamerikanischer Nomaden – und für europäische Buchsbäume. Schaf, Buchsbaum – die Ähnlichkeit ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen…

Die Rohlinge für diese Scheren werden aus einem Ring ausgestanzt, im Ofen angewärmt und in der Presse in die richtige Form gefaltet, schließlich gehärtet und geschliffen.

Erst ganz zum Schluss werden sie umgebogen und „auf Schnitt gesetzt“. Die dafür verantwortliche Mitarbeiterin kann laut Berger mittlerweile am Klang erkennen, ob die Schere gut schneidet. Das ist dann der Fall, wenn „sie singt“ – also nicht die Mitarbeiterin, sondern die Schere. Und? Julian Berger schneidet ein Stück Stoff durch, als wäre es weiche Butter. Als Laien hören wir zwar nichts, aber wir sehen: funktioniert gut.

Anders als die Schaf-/Buchsbaumschere haben die anderen Scheren eine Griff-Ummantelung. Hergestellt aus kleinen roten Körnchen – einem Kunststoffgranulat, das erst zu einer zähen Masse geschmolzen und dann in eine Spritzgussform gegeben wird.

Der Ferrari unter den Scherengriffen

Anders als die Schaf-/Buchsbaumschere haben die anderen Scheren eine Griff-Ummantelung. Hergestellt aus kleinen roten Körnchen – einem Kunststoffgranulat, das erst zu einer zähen Masse geschmolzen und dann in eine Spritzgussform gegeben wird.

Und was auf diese Weise entsteht, ist quasi der Ferrari unter den Scherengriffen: Auch ein Luxus-Modelabel verwendet das Granulat – für seine Sonnenbrillen. „Dieser Kunststoff ist wie guter Wein – er wird mit dem Alter besser“, verspricht Berger.

„Je älter er wird, je mehr er genutzt wird, desto geschmeidiger fühlt er sich an. Da ist richtig Leben drin.“

Teleskopstange 2.0

Die Ummantelung unserer Teleskopstangensäge wird allerdings nicht auf diese Weise gegossen, sie soll schließlich ein bisschen weicher und griffiger sein als die festen Griffe der Scheren. Mit einem speziellen Luftdruckverfahren wird der feste, innen beschichtete Gummischlauch über das Aluminiumrohr gestülpt. Es macht einmal laut „pffffffft“ und das nackte Rohr hat einen Gummimantel.

Auch hier tüftelt BERGER längst an einer Weiterentwicklung, sozusagen der Teleskopstange 2.0. Genaues dürfen wir nicht verraten, aber wenn es soweit ist, bekommt Ihr sie natürlich bei uns.

Apropos „tüfteln“: Am Ende unseres Fabrikrundgangs kommen wir wieder an dem Roboter-Lehrling vorbei.

Sein Ausbilder hat die Kalibrierung mittlerweile verändert und der Roboter versucht es nochmal:

Er greift nach einem Werkstück, dreht erst sich um die eigene Achse, dann das Werkstück, schleift es an, dreht es um, dreht sich wieder um, und bringt das Teil zum Lochen in eine andere Maschine, am Ende legt er es in einer Kiste ab. Geschafft.

Die Zukunft, soviel ist sicher, ist bei BERGER gerade wieder ein bisschen schärfer geschliffen worden.

<   zurück Qualität aus Wuppertal weiter   >