Pull-Back-Trick - der "Zurück-Zieh-Tipp"

Peter Rammes ist Baumpfleger bei der Firma Baumwelt und erspart Euch mit dem folgenden Trick zukünftig einige Höhenmeter.

Montag, 23.09.2019

Pull-Back-Trick - der "Zurück-Zieh-Tipp"

“Ich erinnere mich noch recht gut an das Gefühl, überfordert zu sein, als ich nach dem Aufstieg meinen Ankerpunkt setzte, um meine ersten Großbäume zu pflegen. Schnell stellte ich fest: Wegplanung ist das halbe Klettern. Dazu bedarf es Erfahrung, die zu sammeln einem niemand abnehmen kann.
Es gibt aber Tricks, wie den folgenden, die einem Wege ersparen und die Kräfte schonen. Viele werden ihn kennen – aber aus Gesprächen mit Kollegen hat sich mir gezeigt, dass die Abfolge nicht jedem klar ist. Und wer ihn noch nicht kennt, der wird sich sicherlich darüber freuen.
Ich hoffe, dass ich ihn hinreichend gut beschreiben kann.

Wenn ich meinen Aufstieg hinter mich gebracht habe, orientiere ich mich kurz und plane meinen Weg. Hierbei sehe ich oft die Möglichkeit, mir unnötige Wege nach oben zu ersparen. Dazu spielt der Seilverlauf eine entscheidende Rolle.

Der Einfachheit halber unterteile ich hier den Baum in drei Quadranten: Spitzenbereich, unteren Bereich a, unteren Bereich b. Zunächst wird der Spitzenbereich abgeklettert. Danach folgen die unteren Bereiche. Angenommen, der Aufstieg erfolgte durch den unteren Bereich a, so hängt auch das Kletterseilende in diesem Bereich nahe dem Aufstiegsseil. Ich entscheide mich dann oft, zunächst Bereich b abzuklettern und entsprechend mein Seil in diesen Bereich vorzufüttern, jedoch das Seilende lang genug in Bereich a hängen zu lassen.
Um dann zu Bereich a überzugehen, kann ich entweder über den Ast steigen, über den ich vorgefüttert habe, oder ich wende folgenden Trick an: Ich klettere zurück zur Stammbasis, wo sich Bereich a und b treffen und ich in Reichweite meines Seilstrangs bin, der durch Bereich a läuft. Hier lege ich so meine Kurzsicherung an, dass der Seilstrang aus Bereich a zwischen meinen Strängen der Kurzsicherung verläuft, damit er mir nicht mehr abhanden kommt. Der Strang direkt unter meinem System aus Bereich b soll jedoch außerhalb liegen.

In der Nähe des Aufstiegsseils üben

Nach erfolgter Lastenübergabe in die Kurzsicherung lockere ich mein Klettersystem und setze unterhalb meines Bremssystems einen Slipstek, der sich in Richtung Seilende zuziehen lässt. Nun hänge ich mein System aus und hänge den Karabiner, der meinen Gurt mit dem System verbindet, in die Bucht des Slipsteks. Dann ziehe ich mein System am laufenden Seilstrang hoch, bis es über dem Ast ist, über den mein unterer Seilstrang aus Bereich a in Bereich b läuft. Anschließend ziehe ich mir am Strang aus Bereich a mein System wieder runter, löse es aus dem Slipstek, hänge mich ein und führe eine Lastenübergabe ins Klettersystem durch. Gegebenenfalls noch etwas Ordnung in die Seilstränge gebracht – fertig. Nun kann ich Bereich a abarbeiten.

Die Gefahr hierbei liegt auf der Hand: Wenn etwas schief geht, hänge ich bloß in der Kurzsicherung. Deshalb macht es Sinn, diesen Trick in der Nähe des Aufstiegsseils zu üben, damit zur Not ein Auf- oder Abstieg möglich ist und keine Rettung eingeleitet werden muss. Denn gerne bleiben die Buchten, die im Baum hochgezogen werden, irgendwo hängen. Bei einer guten Orientierung im Baum kann dieser Trick auch etwas komplexer ausgeführt werden als hier beschrieben.

Viel Spaß beim Anwenden und Üben. Climb save.”

Peter Rammes, NRW-Meister im Baumklettern 2014

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