Montag, 23.09.2019

Rigging - schnell und einfach

“Der Trick, den ich hier beschreiben möchte, bezieht sich auf Fällungsszenarien und wurde mir mal speziell für Fichtenfällungen empfohlen, kann allerdings auch bei anderen Baumarten angewandt werden.
Eigentlich ist es eine recht simple Angelegenheit, da es sich lediglich um mehrere halbe Schläge handelt, die aufeinander folgen: Wir steigen also mittels Steigeisen die Fichte hinauf und haben ein Riggingseil am Gurt. Dieses ist mit einem Endauge versehen.
Am ersten Astkranz angekommen, packen wir uns eine Seilpuppe und werfen diese über einen, besser zwei tragfähige Äste eines höher gelegenen Astkranzes, die als Rigginganker dienen sollen.

Jetzt können wir mit dem Seil beginnen, halbe Schläge um die zu riggenden Äste zu legen. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Seilende in Richtung Stamm bzw in Richtung Schnittstelle am anderen Seilstrang vorbei geführt wird. Auf diese Weise können wir den kompletten Astkranz anschlagen. Den letzten Ast schlage ich dann immer mittels Schlinge und Karabiner an.
Dann wird vom letzten Ast aus beginnend der Seilverlauf geprüft und auf Spannung gebracht. Das ist wichtig, damit die halben Schläge auch greifen. Der erste Schnitt erfolgt dann am zuletzt angeschlagenen Ast, hin zum letzten Schnitt am zuerst angeschlagenen Ast. Dynamisches Rigging kann erst mit dem letzten Schnitt erfolgen, was sich ja vom Aufbau ergibt.

Üben, üben, üben

Ich benutze diese Anschlags- und Riggingmethode eigentlich bei jeder Fichtenfällung, weil sie durch ihre Einfachheit besticht: halbe Schläge sind schnell gelegt und es wird wenig Material benötigt. Das Lösen der Äste vom Bodenpersonal verläuft ebenso zügig und einfach. Ich kenne keine schnellere Methode. Es ist jedoch wichtig, dass die halben Schläge, wie beschrieben, in Richtung Schnittstelle gelegt werden. Durch das Gewicht der bereits gesägten Äste ziehen sich diese zu. Sind die halben Schläge falsch gelegt, öffnen sie sich.
Genauso wichtig ist die Vorspannung zwischen den Anschlägen, damit das Seil den Ast sofort greift. Am besten probiert ihr das aus, wenn ihr ein wenig Zeit habt und das obligatorische Glashaus ein paar Meter entfernt ist. Wenn die Methode jedoch sitzt, ist sie eine sichere und schnelle Angelegenheit. Auch hier macht Rührung den Kleister bzw Übung den Meister: wo mit der Anschlagskette begonnen wird und wo sie endet, hängt natürlich von der eigenen Position und der des Riggingankers sowie dem Verhältnis der beiden Positionen zueinander ab. Hört sich kompliziert an, ergibt sich aber aus der Praxis und wie so oft aus dem eigenen Geschmack.
Probiert es einfach mal aus. Mit der Routine kommt die Perfektionierung. Viel Spaß und Erfolg. Climb save.”

Peter Rammes, NRW-Meister im Baumklettern 2014

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