A short history of climbtools

Eine Firma mit Onlineshop – aber ohne funktionierenden Internetanschluss. Eine Firma mit frisch gelieferten Waren – aber ohne funktionerenden Telefonanschluss, über den Kunden hätten bestellen können. Wie alles begann…

Montag, 23.09.2019

Climbtools |

Im Grunde ist der Markt wie ein Baum, auf den man rauf muss. Wurfleine holen, werfen, und versuchen, die beste und fetteste Astgabel möglichst weit oben zu erwischen.
Dass die Firma Benk eines Tages beschloss, ihren Wurfbeutel auf besagten Markt zu schmeißen, hatte nicht nur damit zu tun, dass unser Team Herausforderungen mag. Es ging uns schlicht auf die Nerven, dass wir in ganz NRW keinen Fachhandel fanden, bei dem wir unsere Ausrüstung bekommen konnten. Warum also nicht selbst versuchen, so etwas auf die Beine zu stellen? Hätten wir damals, im Winter 2010, bereits gewusst, wie kompliziert und aufwendig der Aufbau eines solchen Handels ist… Wir hätten es trotzdem gemacht.

Manchmal nützt auch die beste Planung nichts

Die erste Lieferung, die am 1. Juni 2011 in der Lahnstraße 30 a in Mülheim-Speldorf ankam, bestand aus mehreren Paletten mit Kletterausrüstung und Rigging-Material. Teuffelberger war am schnellsten gewesen. Monatelang hatte unser climbtools-Team alles akribisch geplant, Lieferanten kontaktiert, Verträge geschlossen, Waren geordert. Und an diesem Tag hatten wir den Schlüssel für unseren neuen Firmensitz bekommen, der – bis auf die soeben gelieferten Paletten – noch vollkommen leer war. Keine Regale, kein Laden. Das allein war jedoch nicht das eigentliche Problem: Das eigentliche Problem war, das wir weder Telefon noch Internet hatten, obwohl es hätte funktionieren müssen, obwohl alles rechtzeitig organisiert worden war. Nun standen wir also da, hatten so viel Überzeugungsarbeit geleistet, um an die Waren zu kommen, die tatsächlich rechtzeitig geliefert worden waren und nur noch darauf warteten, verkauft zu werden, auch online und telefonisch, und climbtools war weder online noch telefonisch zu erreichen. Wir saßen quasi bequem in der Astgabel, nur konnte das weder jemand sehen, noch konnten wir das irgendjemandem mitteilen.

Nicht jeder mag Grün

Doch weil Baumpfleger an pragmatischen Lösungen mehr interessiert sind als daran, über fiese Platanenhärchen und regennasse Äste zu lamentieren, bauten wir erst einmal die Regale auf. Und machten dem Telefonanbieter Beine. Und nahmen, irgendwie, dann doch die erste Bestellung entgegen: ein grasgrünes Tachyon-Kletterseil von New England Ropes. Die Kundin ist dem Laden bis heute treu geblieben, obwohl, wie sie später zugab, wir mit der Farbe total daneben gelegen hätten. Überhaupt nicht ihr Geschmack.
Mittlerweile bekommen wir das mit den Farben besser hin; aus den gerade mal zehn Lieferanten in Anfangszeiten sind mittlerweile etwa 30 geworden, Telefon und Internet funktionieren, und die Stammkundschaft wächst.

Das Seil ist im Baum, fest eingebaut, ziemlich weit oben und wir haben nach wie vor kein Problem mit Herausforderungen. Baumkletterer haben eben keine Höhenangst.

<   zurück Die Firma