Lobbyarbeit für den Baum

Im Interview verrät uns Jan von Hofmann, warum sein Beruf für ihn niemals langweilig wird. Und als Präsident der ISA darf er natürlich auch ein bisschen Werbung in eigener Sache machen…

Montag, 23.09.2019

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Er ist aktiver Baumpfleger, Ausbilder und Mitinhaber der Baumkletterschule Treetop. Außerdem organisiert und unterstützt er seit vielen Jahren Baumklettermeisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene: Im Interview verrät uns Jan von Hofmann, warum sein Beruf für ihn niemals langweilig wird. Und als Präsident der ISA darf er natürlich auch ein bisschen Werbung in eigener Sache machen…

Jan, Du arbeitest seit 22 Jahren als Baumpfleger – was macht für Dich den Reiz Deines Berufs aus?

Die Arbeit mit und an Bäumen ist für mich etwas ganz besonderes. Es sind wundervolle, bewundernswerte Geschöpfe. In ihnen korrekt zu klettern und zu arbeiten fordert Fachwissen, sportlichen Ehrgeiz und auch Biss. Die Arbeit in Bäumen scheint nie einseitig, stupide oder langweilig zu werden, weil jeder Baum anders, einzigartig ist. Auch die vielen lieben Menschen, die ich in der Baumpflegeszene kennengelernt habe, bereichern meinen Beruf ungemein.

Deshalb engagierst Du Dich auch über den Berufsalltag hinaus. Du bist seit mehr als zwei Jahren Präsident der deutschen Sektion der ISA. Welche Rolle spielt sie für die Baumpflege?

Die ISA ist ein Verein, der in weiten Teilen der Welt die Ausbildung und Zertifizierung von Baumpflegern, -Kontrolleuren und Gutachtern betreibt – in Deutschland allerdings nicht weil hier schon funktionierende Ausbildungsstrukturen bestehen.
Besonders wichtig ist uns aber auch die Sensibilisierung der Bevölkerung, in Bäumen mehr als nur gestalterisches Grün zu sehen und Bäume respektvoll zu behandeln. Weiterhin ist uns das Netzwerk der Baumpfleger wichtig. Über die Jahre hat sich in diesem Beruf eine Gemeinschaft entwickelt, die einzigartig ist. Fachlicher Austausch, Toleranz und gegenseitiger Respekt schaffen ein progressives Verhältnis, das die Entwicklung unseres Berufs immens fördert.

Trotzdem ist der Verein hier weitaus weniger einflussreich als beispielsweise in den USA.

Weil er hier kein Zertifizierungsverband ist. In den USA gilt der „ISA-certified-Arborist“ als anerkannte Fachkraft, das gibt dem Verein eine mächtige Stellung. In Europa hat sich jedoch ein anderes Zertifizierungsverfahren entwickelt. Es gibt nationale Ausbildungsformen, zum Beispiel Lehrberuf in der Schweiz und in England, oder Fachagrarwirt in Deutschland und eine intereuropäische Zertifizierung – ETW, ETT. Somit ist unser Verein nicht in der Lage, die ISA-Zertifizierungen in Deutschland zu propagieren.

Will sich die ISA denn für eine staatlich geregelte und anerkannte Baumpflegerausbildung in Deutschland einsetzen?

Eine Antwort darauf ist schwierig. Natürlich wünschte ich mir, persönlich, wie auch als ISA-Vorsitzender, dass die Baumpflege ein Ausbildungsberuf sei. Es würde zu einer bundesweiten Qualitätssicherung führen.

Allerdings erscheint dieser Wunsch idealistisch, weil sich ein europäisches System – ETW, ETT – durchsetzt und der Staat nicht die Gründung neuer Berufe fördert.
Bislang kann die ISA in Deutschland deshalb keinerlei Qualitätssicherung oder Überwachung der Ausbildung bieten. Allerdings haben wir indirekt durch die Meisterschaften und unser Netzwerk Möglichkeiten, die Qualitätsansprüche hoch zu halten, unerfahrene Baumpfleger zu beraten und zu lenken.

Ratsuchende Baumpfleger können sich also jederzeit an die ISA wenden?

Ja, bitte via Email: baum@isa-arbor.de

Und ratsuchende Kommunen oder Behörden?

Die ISA bietet sich gerne als neutraler Berater an. Erstmals dachten wir nach dem Sturm Ela darüber nach, uns stärker in beratende Funktionen zu bringen. In Zukunft werden wir in diesen Bereichen noch mehr bieten.
Profitieren kann man von Beratung immer, ob es nun um Pflanzung, Pflege, Erhaltung oder Fällung von Bäumen geht. Wichtig dabei ist die Neutralität, die die ISA bietet.

Neben Ausbildung, Information, Beratung und Zertifizierung macht sich die ISA auch für Forschungsprojekte stark.

Die ISA unterhält ein sogenanntes TREE Fund Programm – ein Finanzierungsprogramm für Forschungsprojekte rund um die Baumpflege und Diagnostik. Vorzugsweise werden Projekte zum Thema „Wurzelraum und Bodenkunde“, „Planung und Pflanzung“, „Pflege und Erhaltung“ sowie „Gefährdungsermittlungen und Arbeitssicherheit“ unterstützt. Die Höhe der Fördergelder hängt von den Kosten des Forschungsprojekts ab.
Interessenten mögen sich bitte bei uns melden, das Antragsverfahren ist nicht ohne!

Und dann sind da noch die Wettkämpfe…

Wir bereiten seit 22 Jahren die deutsche Baumklettermeisterschaft – wohl unser größter Erfolg. In der Organisation sind wir zunehmend besser und professioneller geworden.
Zukünftig wollen wir den Besuchern der Meisterschaften noch mehr baumpflegerische Informationen bereitstellen. Wir bieten vor Beginn der Wettkämpfe einen Vortragstag rund um die Themen Baumpflege, Erhaltung und Diagnostik an, veranstalten dendrologische Führungen und werden etliche weitere Information über Baumpflege bereitstellen.
Wir nutzen die Meisterschaften also, um die Bevölkerung, Fachleute und Laien für Bäume zu begeistern und fachgerechte Baumpflege zu vermitteln.

Jetzt ist der Zeitpunkt für ein bisschen Werbung in eigener Sache: Welche Vorteile hat also eine Mitgliedschaft bei der ISA?

Ein Bekannter von mir beschrieb es mal so: „Man geht nicht in einen Fußballverein um etwas zu bekommen, sondern um Fußball zu spielen.“
Mitglieder der ISA werden dazu aufgerufen, sich aktiv am Verein zu beteiligen und den Verein aktiv zu fördern, um fachgerechte Baumpflege zu propagieren und Bäume zu schützen und erhalten. Wenn sich die Baumpfleger gemeinsam aktiv für nachhaltige Qualität einsetzen, profitieren wir und die Bäume davon.
Vorteile im herkömmlichen Sinne gibt es hier in Deutschland nur wenige: günstige Startgebühr bei Meisterschaften, Infobroschüren sind in Produktion.
Auf internationaler Basis hingegen ergeben sich deutliche Vorteile. Gerade für Baumpfleger, die gerne mal im Ausland arbeiten möchten ist die ISA ein geeigneter Ansprechpartner, nationale Chapters können Kontakte vermitteln.

Was würdest Du als ISA-Präsident und erfahrener Baumpfleger einem jungen Kollegen mit auf den Weg geben?

Bäume sind Lebewesen, die Achtung und Respekt verdienen. Jeder Eingriff sollte dies berücksichtigen. Weiterhin, arbeitet sauber und ordentlich, bleibt gesund und respektiert einander.

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