Freitag, 22.09.2017

Lesestoff: „Der Charakter unserer Bäume“

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Der Fachbuchautor Andreas Roloff hat ein neues Baum-Buch geschrieben. Wir haben für Euch mal einen Blick hineingeworfen.

Zugegeben, der Titel klingt ein wenig esoterisch: „Der Charakter unserer Bäume“. Da kommt einem zwangsläufig die germanische Mythologie in den Sinn, der Ahorn als heitere Baumart, die böse Geister vertreibt und für positive Gedanken sorgt, oder so etwas. Bekanntnermaßen ist Naturverbundenheit ja gerade irgendwie Trend, und Bücher und Zeitschriften bedienen eben Trends.

Aber Andreas Roloff ist schließlich nicht irgendein Schriftsteller – der Forstwissenschaftler hat sich längst einen Namen als Fachbuchautor gemacht. Seine Schwerpunkte: Forstbotanik und Dendrologie. So befinden sich unter seinen Büchern also auch viele Standardwerke der Baumpflege, wie „Flora der Gehölze“, „Handbuch Baumdiagnostik“ oder „Bäume in der Stadt“.

Fachwissen unterhaltsam verpackt

Es erwartet Euch also kein Buch, das die seelischen Befindlichkeiten von Eiche und Akazie ergründen will. Nein, hier geht es tatsächlich ums Fachliche. Um die Grundbedürfnisse einzelner Arten, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre besonderen Merkmale, um historische Bedeutung und Holzeigenschaften. Wobei das Buch keineswegs nur für versierte Baumpfleger gedacht ist. Der Autor hat sowohl die interessierten Laien im Blick, als auch die angehenden Baumpfleger. Auch die Experten unter Euch werden möglicherweise noch einiges finden, das ihnen neu ist und das ihr Wissen komplettiert. Zumal der Autor auch immer wieder nette Anekdoten und kleine Wissensschnipsel einfließen lässt, Stichwort: Chinesenbart.

Zuerst die Basics

In zwei Grundlagenkapiteln handelt der Autor knapp ein paar Basics, wie den Unterschied zwischen Pionier- und Klimaxbaumarten ab, sowie, etwas ausführlicher, Rindenbilder („Gesicht des Baumes“), Astnarben und „Körpersprache“, also die Art und Weise, wie sich äußere Einflüsse auf die gesamte Erscheinung eines Baumes auswirken können. Auch dem Alterungsprozess widmet er eine längere Passage.

Schnellllebige, mittelalte und langlebige Arten

In die eigentliche Thematik steigt er dann mit einem Kapitel über die schnelllebigen Baumarten Sand- und Moor-Birke, Eberesche und Schwarz-Erle ein und erklärt, wie etwa die weiße Farbe der Birkenrinde zustandekommt, dass die Eberesche mit ihrer grünen Rinde auch nach dem Laubfall weiter Fotosynthese betreiben kann und besonders resistent gegen Immissionen ist, oder dass die Schwarz-Erle sich zuweilen schon im Frühsommer wieder von einigen Blättern trennt, um ihren extrem hohen Lichtbedarf zu decken.

Noch ausführlicher widmet sich Roloff langlebigen Baumarten, den meisten Platz räumt er den mittelalten Baumarten ein. Alle stellt er mit ihren Eigenheiten dar, erläutert Wuchs und Wurzelsystem, oder auch Grundbedürfnisse und Anpassungsfähigkeit und illustriert seine Erklärungen mit ansprechenden Beispielfotos.

Alles in allem hält Andreas Roloff, was er im Vorwort verspricht: Sein Buch solle zu einem besseren Verständnis der Bäume beitragen, dazu, dass man ihren „Charakter“, also die Summe ihrer Eigenheiten und Möglichkeiten, erfassen könne. Das ist nach der Lektüre sicherlich der Fall.

Viel Spaß beim Lesen!

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